Claudia Fabrizy im Seelenraum mit mystischem Licht und spiritueller Selbstbestimmung

Wie ich meinen inneren Priester traf

Ich möchte dich einladen, zwei innere Kräfte kennenzulernen, die unser spirituelles Leben auf unterschiedliche Weise prägen – und die doch untrennbar zusammengehören: die Mystikerin und den Priester. Sie stehen für zwei Bewegungen unserer Seele – für das Eintauchen in die Tiefe und für das Gestalten in der Welt. 

Vielleicht erkennst du dich in beiden wieder, vielleicht fühlst du dich einer von ihnen zunächst näher. Die Geschichte, die nun beginnt, ist mehr als eine Erzählung. Sie ist ein Einweihungsweg, auf dem du den mystischen und den priesterlichen Teil deines Wesens entdecken und beide immer mehr miteinander verbinden kannst.

Vor meinem inneren Auge entsteht ein Studierzimmer, eine Bibliothek. Bücherwände reichen vom Boden bis zur Decke. Im Kamin prasselt ein Feuer. In einer Ecke steht ein Schreibtisch. Dahinter sitzt ein Mann, ganz in seine Arbeit versunken. Sein Gesicht wirkt konzentriert und gesammelt.

Er steht auf und stellt ein Buch ins Regal. Seine Bewegungen sind klar und präzise, kein Handgriff zu viel. Er trägt eine schlichte Kutte, die seine große Gestalt umfließt. Eine goldene Kordel um seine Mitte ist sein einziger Schmuck. Sein braun glänzendes Haar fällt in Wellen um das kantige Gesicht – das einzig Ungezähmte an ihm. 

Der Priester blickt mich an und lächelt. In seinen Augen tanzen bernsteinfarbene Lichter. 

„Ich sammle alles, was je geschehen ist“, sagt er. „Den Lauf der Zeit zu überblicken, rückt die Dinge an ihren rechten Platz. Zusammenhänge werden sichtbar. Die Menschen bitten mich um klare Worte. Ich lehre sie, die Geister zu unterscheiden und das Wesentliche zu erkennen.“  

Da steigt eine Frage in mir auf. Wie finde ich die richtigen Worte für dieses Buch?

Der Priester nickt. 

Im nächsten Augenblick stehen wir auf der Wiese eines herrschaftlichen Parks. Der Priester nimmt Pfeil und Bogen zur Hand und spannt die Sehne bis zum Anschlag. Sein Blick ruht auf der Zielscheibe. Der Pfeil trifft mitten ins Zentrum – eine Rose. 

Er dreht sich zu mir um. 

„Das Geheimnis liegt in der Spannung und in der Entspannung. Du konzentrierst dich – und lässt los. Dann kommt dein Inneres in Bewegung, und die richtigen Worte finden ihren Weg zu dir. Die Rose steht für das Wesentliche.“ 

Er reicht mir Pfeil und Bogen. Ich übe, bis die Sonne sich dem Horizont neigt und den Garten in goldenes Licht taucht.  

Wir kehren zur Priesterakademie zurück und betreten einen Gewölbegang. In regelmäßigen Abständen fallen Lichtstrahlen durch schmale Fensterschlitze und zeichnen Muster auf den alten Steinboden. Während wir gehen, begreife ich: Bewegung sammelt Erfahrung. Aus den Eindrücken der sinnlichen Welt entstehen Muster. Aus Mustern werden Zusammenhänge sichtbar.

Der Priester zwinkert mir zu.

Wir treten über die Schwelle, und vor uns öffnet sich der Innenraum einer Kathedrale. Stein auf Stein, mächtige Säulen – ein Raum für die Ewigkeit gebaut. Wir schreiten durch die heiligen Hallen und setzen uns nebeneinander auf eine Bank. Ich genieße das Schweigen. 

Vor meinem inneren Auge entfalten sich Szenen: Menschen strömen in die Kathedrale. Musik erklingt. Kerzen brennen, Räucherwerk erfüllt die Luft. Die Stimme des Priesters hallt durch den Raum. Mit ruhigen, sicheren Bewegungen lenkt er das Geschehen. Hier ist er der Zeremonienmeister. Er gestaltet Rituale, feiert heilige Feste, betet und meditiert mit den Menschen und spricht über den Sinn des Lebens. 

In meinem Herzen breitet sich ein warmes, erhebendes Gefühl aus.  

Plötzlich höre ich beunruhigende Geräusche. Der Boden beginnt zu beben. Ich blicke erschrocken auf. Der Priester sitzt nicht mehr neben mir. Mit erhobenen Armen steht er zwischen den Säulen, als würde er den Raum selbst stützen. 

Ich stehe auf und trete an seine Seite. Dann wird es still. Als wäre nichts geschehen. 

Er senkt die Arme und nickt mir zu. 

„Zu meinen Aufgaben gehört, das Heiligtum zu schützen.“ 

In einer der Säulen öffnet sich eine Tür. Dahinter führt eine Wendeltreppe hinab. Der Priester geht voran, ich folge ihm. Während wir hinabsteigen, wird mir klar: Auch das sind priesterliche Qualitäten – Begleitung und Orientierung. 

Am Ende der Treppe öffnet sich eine unterirdische Kapelle. Hier endet unsere Begegnung für heute. Der Priester sieht mich liebevoll an.

„Die tieferen Mysterien kennt sie“, sagt er. „Der Weg zu ihr führt durch den Brunnen.“ 

Er zeigt auf ein tiefschwarzes Loch im Boden. 

„Lass dich fallen!“ 

Er nimmt mich in die Arme. Aus der Geborgenheit heraus trete ich einen Schritt zurück – und die Dunkelheit verschluckt mich. (…) Weiterlesen: Wie ich meine innere Mystikerin traf

Die ganze Geschichte im Buch „Spirituell Selbstbestimmt“

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