Nicht jeder ist ein Zen-Typ – Dein spiritueller Weg
Manche Menschen stehen um fünf Uhr morgens auf, praktizieren Zazen und schwören auf Vipassana-Retreats. Man sieht ihnen die positive Wirkung sofort an. Es ist ihr spiritueller Weg.
Ich gehöre nicht zu diesem Typ. Stundenlanges Sitzen in einer bestimmten Meditationshaltung bringt mir nichts, und wenn ich täglich um fünf Uhr aufstehe, werde ich zum Zombie – müde, gereizt, krank.
Dafür habe ich einen natürlichen Zugang zu meiner inneren Tiefe. Versenkung fällt mir leicht, der Umgang mit meinen inneren Bildern und Träumen ist mir vertraut. Ich habe ein Talent für Trance und Ekstase und kann Symbole deuten. Als ich über mystische Einheitserfahrungen las, wusste ich sofort, was gemeint war – weil ich sie selbst erlebe.
Beim Tanzen und Singen geht mein Herz auf. Auch Bewegung in der Natur ist für mich ein wichtiger spiritueller Zugang. Meine Mystikerin lebt im Gebirge! Wandern, mit den Schiern den Berg hinuntersausen, im glitzernden See baden oder im Wald auf Visionssuche gehen – all das sind Praktiken, die meiner Veranlagung und meiner Seele entsprechen.
Andere erleben ihre intensivsten spirituellen Erlebnisse in Gemeinschaft. Sie lieben es, an Gottesdiensten teilzunehmen, Predigten zu hören und angeregte Gespräche über weltanschauliche Themen zu führen. Oder sie engagieren sich für soziale Projekte und mögen Encounter-Zirkel mit intensiven Gruppenprozessen.
Mich hingegen strengen solche Prozesse einfach nur an – nach einem einzigen Tag davon brauche ich oft eine ganze Woche, um alles zu verarbeiten. Die kollektiven Dynamiken, die in solchen Gruppen entstehen, fühlen sich für mich oft unnatürlich an. Wenn dann auch noch erwartet wird, dass alle dieselben Überzeugungen übernehmen oder im Gleichschritt demselben Weltbild folgen, ist bei mir der Ofen aus.
Ich liebe Beschaulichkeit, kreatives Schaffen und die Natur – sie verbinden mich mit dem Transzendenten. Das ist mein spiritueller Weg.
Spiritualität entfaltet sich so individuell wie unser Wesen. Nicht jede spirituelle Praxis passt zu jedem. Während die einen ihren Zugang in Stille und Meditation finden, entdecken ihn andere in Bewegung, in Gemeinschaft, in Ritualen oder im kreativen Ausdruck.
Als spirituell selbstbestimmte Wesen dürfen wir entdecken, was wirklich zu uns passt. Es lohnt sich, Erfahrungen zu sammeln, sich selbst immer besser kennenzulernen und sich folgende Fragen zu stellen:
☆ Wo geht mein Herz auf, was fühlt sich lebendig an?
☆ Wie komme ich mit meiner Seelentiefe in Kontakt?
☆ Was spendet mir Trost?
☆ Was erfüllt mein Leben mit Sinn?
☆ Wie verbinde ich mich mit der Quelle, mit Gott, mit der geistigen Welt?
☆ Welche Mythen, Geschichten oder spirituellen Lehren sprechen mich an?
☆ Welche Rituale bereichern mich?
☆ Wie sieht meine spirituelle Heimat aus?
☆ Was ist mein spiritueller Weg?
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